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Vernissage der Ausstellung CROPMARKISMUS

Sa., 07. Nov.

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Französische Str. 18

Farbe als Fetisch

Vernissage der Ausstellung CROPMARKISMUS
Vernissage der Ausstellung CROPMARKISMUS

Zeit & Ort

07. Nov. 2026, 17:00

Französische Str. 18

Über die Veranstaltung


CROPMARKISMUS
Farbe als Fetisch

Malerei und Plastik von Ruben Langer, Andreas Schiller, Menno Veldhuis und Ingo Pehla

Ausstellung: 07.11.–15.11.2026
Vernissage: Samstag, 07.11.2026, um 17 Uhr
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 14–18 Uhr

Kunsthaus sans titre
Französische Str. 18, 14467 Potsdam


Eskapismus hat keinen besonders guten Ruf. Er gilt als ästhetischer Seitenausgang für jene, denen die Wirklichkeit vorübergehend nicht zusagt. Während draußen die Verhältnisse ihre Zumutungen verteilen, zieht man sich in Farbe, Form oder Fantasie zurück. Dort ist es wärmer. Zumindest lässt sich das Licht selbst bestimmen.

Gewöhnlich wird Eskapismus als Reaktion verstanden. Erst kommt die Krise, danach das Bedürfnis, ihr für eine Weile zu entkommen. Beim Cropmarkismus scheint die zeitliche Ordnung weniger eindeutig. Vielleicht reagieren diese Bilder nicht nur auf etwas, das bereits geschehen ist. Vielleicht nehmen sie eine Welt vorweg, deren politische Härten sich erst allmählich abzeichnen. Der Fluchtpunkt läge dann nicht hinter, sondern vor uns. Das wäre kein nostalgischer Rückzug. Eher eine vorsorgliche Absetzbewegung mit Pinsel.

Ruben Langer, Andreas Schiller, Menno Veldhuis und Ingo Pehla entwerfen dafür keinen gemeinsamen Zufluchtsort. Ihre Arbeiten unterscheiden sich zu deutlich, um sie in einem behaglichen Stilbegriff unterzubringen. Was sie verbindet, ist weniger eine Bildsprache als das Vertrauen in die Möglichkeit des Bildes, eine andere Ordnung zu behaupten. Farbe baut hier vielleicht an einer zweiten Welt?

Der Titel Farbe als Fetisch benennt diese Aufladung mit erfreulicher Unverfrorenheit. Ein Fetisch erhält seine Macht schließlich durch Projektion. Man stattet einen Gegenstand mit Kräften aus und ist später aufrichtig erstaunt, wenn er davon Gebrauch macht. Auch die Farbe bleibt in diesen Arbeiten kein fügsames Mittel. Sie breitet sich aus oder gerät ins Stocken. Mitunter scheint sie die Gegenstände erst hervorzubringen, nur um ihnen gleich darauf wieder die Verlässlichkeit zu entziehen.

Das Entkommen ist allerdings keine unschuldige Tätigkeit. Wer fliehen kann, verfügt bereits über einen Ausweg. Die Kunst besitzt dieses Privileg in besonderem Maß. Sie darf Wirklichkeit verlassen, ohne ihr tatsächlich zu entkommen. Gerade deshalb kann sie zeigen, was im nüchternen Tagesbetrieb leicht unsichtbar bleibt.

Der Begriff Cropmark bezeichnet eine oberirdische Spur, unter der sich etwas Verborgenes abzeichnet. Vielleicht lässt sich auch der Cropmarkismus so verstehen. Seine Bilder wären dann keine Flucht aus der Gegenwart, sondern farbige Markierungen über einem Gelände, welches sich bereits verändert. Noch sehen wir nicht genau, was darunter liegt. Dass dort etwas liegt, ist schwerer zu übersehen.

Maja Dierich-Hoche, 2026

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